Wenn der feste Kiefer eine Stimme bekommt

Wie aus einem Symptom ein Wegweiser wird

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026. Lesezeit: 5 Minuten.

 

Zähneknirschen. Kiefer- oder Gesichtsschmerzen. Vielleicht auch andere CMD-Symptome wie Migräne, Tinnitus und Schwindel. Sie haben schon vieles unternommen, um sie hinter sich zu lassen.

Hier finden Sie eine überraschend andere Möglichkeit. Sie ist mit einer einfachen Frage an Ihren Körper verbunden: Worauf möchtest du mich aufmerksam machen?

Warum sollten Sie dem Kieferschmerz Aufmerksamkeit schenken, den Sie doch loswerden möchten? Weil er vielleicht etwas weiß, das für Sie wichtig ist.

Was der Kiefer festhält

Zähne und Kiefer bilden ein sensibles und zugleich kraftvolles System. CMD-Symptome und chronische Schmerzen können darauf hinweisen, dass Sie zu viel stemmen, sich zu lange zusammenreißen und schwer abschalten können. Und dass Pausen, Erholung und Loslassen zu kurz gekommen sind.

Zähne zusammenbeißen, sagen wir, wenn etwas schwer wird. Sich durchbeißen. Verbissen sein. Die Sprache weiß längst: Der Kiefer steht für mehr, als nur Nahrung zu zerkleinern. Wenn er sich meldet, hat das etwas zu bedeuten.

Für mich ist das ein Anlass, mich dem schmerzenden Körperteil zuzuwenden und ihm Zeit zu schenken. Viel aushalten und fokussiert auf ein Ziel zusteuern, kenne ich auch von mir. Wenn ich in meinen Wechseljahren nicht aufgebrochen wäre, hätte ich gut eine CMD-Patientin werden können.

Warum Dagegenhalten oft nicht reicht

Die meisten Frauen, die zu mir kommen, tragen zum Schutz ihrer Zähne eine Schiene in der Nacht. Sie haben mit Physiotherapie die Muskulatur gelockert und Yoga in ihre volle Woche eingebaut. Das alles hat seinen Wert, und doch ist etwas zurückgeblieben.

Das kannte ich schon, bevor ich Coach wurde. Als Zahntechnikermeisterin sah ich die Frauen, die sich immer wieder einen Termin in der Praxis holten. Nur fehlte mir damals eine passende Antwort.

Heute weiß ich: Das Unwohlsein im Körper oder der Schmerz im Kiefer möchten etwas mitteilen. Und das braucht einen sicheren Raum, in dem Sie damit nicht alleine bleiben.

Verständlicherweise zögern hier viele. Kontakt aufzunehmen mit dem, was sie am liebsten loswerden würden, ist ungewohnt und kann Angst machen.

Wie Sie mit dem umgehen können, was Angst macht

Eine Klientin war einmal an diesem Punkt, ihre Geschichte steht hier stellvertretend für viele. Sie spürte etwas Unklares und fürchtete zugleich, es könnte schlimm sein.

Wir fanden ein Bild dafür, und es hat ihr geholfen.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit einem kleinen Mädchen vor einer verschlossenen Tür. Sie möchten hindurch und wissen, was dahinter ist. Aber die Kleine hat Angst. Sie will nicht.

Sie könnten sie zwingen. Sie könnten auf Ihr Vorhaben verzichten. Beides fühlt sich nicht richtig an.

Es gibt einen dritten Weg. Sie beugen sich zu ihr hinunter. Legen Ihren Arm um sie und sagen: „Erzähl mir doch, was dir so Angst macht, mein Schatz.“

Genau so können Sie mit dem umgehen, was Ihnen vielleicht Angst macht. Mit dem Schmerz, der Anspannung, der Ungewissheit. Nicht dominieren, nicht wegdrücken. Sich danebensetzen, auf Augenhöhe bleiben und zuhören.

So entsteht überhaupt erst eine Chance, dass sich etwas zeigt und in Bewegung kommt.

Ein Moment zum Nachspüren

Wenn Sie mögen, halten Sie an dieser Stelle einen Augenblick inne. Nicht, um etwas zu lösen.
Nur um zu schauen, was da ist.

Nehmen Sie Ihren Atem wahr, so wie er jetzt gerade ist.
Genauso ist es gut.

Gehen Sie dann mit Ihrer Aufmerksamkeit zu Ihrem Kiefer.
Ohne etwas richtig machen zu müssen.

Was bemerken Sie? Vielleicht Festigkeit? Druck? Oder etwas ganz anderes?
Vielleicht zeigt sich ein Bild, ein Gefühl oder ein Wort.

Und dann können Sie innerlich fragen: Worauf möchtest du mich aufmerksam machen?

Bleiben Sie noch einen Moment dabei. Und wenn es Ihnen zu viel wird, hören Sie einfach auf.
Auch das ist eine Antwort.

Diese Art des Hineinspürens stammt aus dem Focusing, einer Methode, mit der ich arbeite.

Wenn der Kampf aufhört

Wenn Sie Ihren Körper spüren und ihm auf diese besondere Art zuhören, statt weiter gegen Ihren Kiefer- oder Gesichtsschmerz und die anderen CMD-Symptome zu kämpfen, verändert sich etwas. Der Körper kommt zur Ruhe und reguliert sich.

Mit diesem neuen Kontakt bemerken Sie dann auch früher, wo es eng wird und was Kraft kostet. Oder noch besser: was Ihnen guttut. Sie haben etwas gefunden, mit dem Sie selbst Einfluss nehmen können.

Diesen Richtungswechsel nenne ich SchmerzWende.

Im Aussichtsreich können wir diesen Weg gemeinsam gehen. In einem Tempo, das Sie bestimmen, nie schneller, als es sich gut anfühlt. Und wir bleiben dabei, bis Sie erleben, dass aus Ihrem festen Kiefer, den Sie loswerden wollten, ein Verbündeter geworden ist.

Gerade jetzt, in der Lebensmitte

Besonders in der Lebensmitte lohnt sich dieser Prozess. Es ist eine Phase, in der vieles in Bewegung gerät. Und vielleicht möchte eine innere Wahrheit gelebt werden, die lange gewartet hat.

Das kann sich wie eine Krise anfühlen. Manchmal ist es das auch. Und doch liegt darin eine Gelegenheit. Wer beginnt, dem eigenen Körper zuzuhören, hört mit der Zeit wieder sich selbst.

Im Alltag zeigt sich das oft ganz schlicht. Sie beenden ein Gespräch, das Sie erschöpft. Sie sagen Nein, ohne es zu rechtfertigen. Und Sie merken, dass Ruhe kein Luxus ist, sondern etwas, das Sie brauchen.

Sie richten sich nicht mehr in erster Linie danach, was erwartet wird, sondern danach, was sich für Sie stimmig anfühlt. Und darin liegt ein Stück Freiheit. Nicht die große, laute. Sondern eine stille:
bei sich selbst zu bleiben.

Der feste Kiefer, die besondere Zeit in der Lebensmitte: Beides kann zum Hinweisgeber werden. Zu mehr Wohlbefinden und zu einem EigenSinn, der nichts mit Egoismus zu tun hat.

Ich selbst finde meine Orientierung und Ruhepunkte auch über meinen Körper. Und damit ich zuversichtlich bleibe bei all dem, was gerade in der Welt in Bewegung ist, lasse ich mich regelmäßig begleiten.

Wenn Sie das kennen

Vielleicht spüren Sie beim Lesen, dass Ihnen Ihr Körper etwas sagen möchte.

Dann sprechen Sie mich gerne an. Sie müssen nicht allein vor der verschlossenen Tür stehen. Im kostenfreien Orientierungsgespräch schauen wir in dreißig Minuten gemeinsam auf Ihre Situation. In Ruhe, auf Augenhöhe, ohne Verpflichtung.

Von meinen Klientinnen höre ich oft einen Satz wie diesen: Gut, dass ich damals angefangen habe, auf meinen Körper zu hören.

Warum sich Kieferbeschwerden gerade in dieser Lebensphase melden, lesen Sie im Beitrag über Zähneknirschen in den Wechseljahren. 

 

Gundula Bunge-Glenz ist zertifizierter Coach, erfahrene Dialogbegleiterin und Zahntechnikermeisterin. In ihrer Coachingpraxis Aussichtsreich in Bensheim begleitet sie Frauen mit Zähneknirschen (Bruxismus), Kieferbeschwerden (CMD) und chronischen Schmerzen, besonders in der Lebensmitte und in den Wechseljahren. Ihre Arbeit versteht sich ergänzend zur zahnärztlichen und medizinischen Behandlung. Diesen Weg nennt sie SchmerzWende.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation. Er ersetzt keine individuelle zahnärztliche, medizinische oder therapeutische Diagnostik und Behandlung.

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