Warum es nie zu spät ist, nicht fürs Leben und nicht für den eigenen Körper
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026. Lesezeit: 6 Minuten.
„Ich hab’s ja schon mit allem versucht.“ Diesen Satz höre ich oft im ersten Gespräch.
Ich verstehe ihn gut. Wenn der Kiefer ständig unter Spannung steht und schmerzt, wenn dazu die Nächte unruhig sind, dann zieht sich die Hoffnung irgendwann ein Stück zurück. Dann heißt es nicht mehr: „Ich will, dass sich etwas verändert.“ Sondern: „So ist das eben jetzt.“
Im Coaching gelingt der Wechsel zu einer anderen Haltung. Zu einer, die für mich erst durch Erfahrung wahr geworden ist:
Es ist nie zu spät. Nicht fürs Leben und nicht für den eigenen Körper.
Das ist keine schöne Floskel, sondern das, was ich selbst durchlebt habe. Es gilt für Kieferbeschwerden, bei denen über lange Zeit nur wenig geholfen hat, und genauso für die Lebensmitte mit ihren Herausforderungen. Es ist der Grund, warum es Aussichtsreich heute gibt.
Was die Schienen mir erzählten
Bevor ich Coach wurde, war ich Zahntechnikermeisterin. Ich fertigte an, was Menschen im Mund tragen, wenn der Kiefer nicht zur Ruhe kommt.
Vielleicht liegt auch bei Ihnen eine solche Schiene neben dem Bett.
Manche dieser Schienen kamen nach Monaten ins Labor zurück, und ich las an ihnen ab, was nachts geschehen war. Das Material trägt die Spuren. Es zeigt, mit welcher Kraft jemand an welcher Stelle presst oder knirscht. Was in diesen Frauen vorging, ließ sich daran nicht ablesen.
Ich sah die Patientinnen, die mit Kieferbeschwerden und Schmerzen die Praxis aufsuchten, und hörte ihre Geschichten. Oft half die Behandlung. Doch immer wieder kamen Frauen, deren Schmerzen blieben und die darüber verzweifelten.
Damals hatte ich keine Erklärung. Nur die Beobachtung, dass da etwas fehlte.
Als der Nebel kam
Dann kam meine eigene Krise in den Wechseljahren.
Ich war glücklich verheiratet. Hatte zwei Kinder großgezogen und mir beruflich etwas Eigenes aufgebaut. Grund genug, dankbar und zufrieden zu sein und mein Leben zu genießen. Stattdessen diese Schwere und depressive Verstimmung an manchen Tagen.
Das Gefühl, im Nebel zu stehen und nicht zu wissen, wie es weitergeht.
Auf der Suche nach Antworten beschäftigte ich mich mit Gesundheitsthemen und Spiritualität, besuchte Workshops und las viele Bücher über Persönlichkeitsentwicklung. Ich wollte verstehen, was mit mir los war.
Was mich durch diese ungewisse Zeit trug, war mein Körper. Er zeigte mir, was noch guttat und was Freude machte. Fachliche Hintergründe und passende Erklärungen fehlten mir, doch ich verließ mich auf ihn.
Der Moment, in dem es klar wurde
Während eines längeren Retreats war es dann, als ob ein Schleier fiel. Die Antwort kam von innen: Ich wollte mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben. Die Erfahrung einer Frau, die sich bei ihren Entscheidungen eher von ihrer Körperweisheit hatte führen lassen als von Plänen.
Ich wollte künftig genau die Frauen stärken und begleiten, die ich in der Zahnarztpraxis erlebte: die mit dem Knirschen, dem Druck im Kiefer, den Schmerzen, für die es keine einfache Erklärung gibt.
Das war Klarheit und Erschrecken im selben Moment. Wie sollte mir das gelingen? Ich bin eher die Leise, die genau beobachtet und lieber im Hintergrund bleibt. Ich hatte viel Empathie und Intuition, aber kein Methodenwissen.
Der innere Antrieb war aber so stark, dass ich trotz meiner Zweifel nach Wegen suchte, mein Anliegen umzusetzen.
Was mir geholfen hat, trotzdem anzufangen
Ich fing an, bevor ich mich sicher fühlte. Drei Dinge gaben mir Halt, von denen ich heute auch meinen Klientinnen erzähle.
Ich ließ mich begleiten, statt alles allein zu tragen. Selbst im Coaching zu sitzen, war für mich die wichtigste Erfahrung. Ich erlebte am eigenen Leib, was es verändert, wenn jemand zuhört, ohne sofort eine Lösung anzubieten.
Ich ging Schritt für Schritt vor. So entwickelte sich über die Jahre aus einem tiefen Anliegen Aussichtsreich, ein Ort, an dem ich Frauen mit Bruxismus und CMD ermutige, ihrem Körper wieder zuzuhören.
Ich vertraute meinem Körper, nicht nur meinem Verstand. Als Mutter hatte ich mich längst auf mein Spüren verlassen. In meinen Ausbildungen konnte ich dieses Wissen dann mit psychologischen Ansätzen und Methoden untermauern. So wurde aus einer persönlichen Gabe etwas, das ich heute an andere Frauen weitergeben kann.
Veränderung beginnt nicht mit noch mehr Disziplin. Sie beginnt damit, das schon Gespürte, aber noch nicht Gewusste wahrzunehmen und zu erforschen.
Was das mit Ihrem Kiefer zu tun hat
Vielleicht denken Sie jetzt: Schön für Sie. Aber ich will keinen neuen Beruf. Ich will einfach, dass mein Kiefer endlich Ruhe gibt.
Verständlich. Ich wollte damals auch keinen neuen Beruf. Ich wollte nur wissen, warum ich mich so schwer fühlte. Dass daraus etwas Neues wurde, war nicht der Plan, sondern die Folge davon, dass ich hingeschaut habe.
Und darum geht es auch bei Ihnen. Ein Neuanfang muss kein neues Leben sein. Er kann damit beginnen, dass Sie eine andere Frage stellen. Nicht mehr nur: Wie werde ich das los? Sondern auch: Was will mir das zeigen?
Das Gute ist: Es ist nicht festgeschrieben, wie es ist. Der Körper kann Neues lernen. Er reagiert und entspannt sich, wenn er nicht mehr übergangen wird. Und ein Körper, der jahrelang funktionieren musste, kann wieder als Gegenüber wahrgenommen werden und nicht nur als Problem.
Und der richtige Zeitpunkt dafür ist nicht irgendwann. Er ist vielleicht genau jetzt.
Was ich mitbringe
Vieles von dem, was mich in der Zahntechnik ausgezeichnet hat, brauche ich immer noch. Ruhe. Geduld. Den Blick fürs Detail und die Freude an Schönheit. Damals floss meine Kreativität in meine Hände, heute fließt sie in meine Worte.
Ich sehe schnell, wo etwas fehlt und wo Entwicklung möglich wird. Ich liebe es, mit meinen Klientinnen Dinge ans Licht zu holen, die ihnen vorher gar nicht bewusst waren.
Und ich bringe etwas mit, das ich mit vierzig noch nicht hatte: Ich weiß, wie sich eine Krise wirklich anfühlt. Ich kenne die Zeit, in der nichts mehr selbstverständlich ist. Das lässt sich nicht lernen, das muss man durchlebt haben.
Aussichtsreich bietet einen sicheren Ort. Einen Raum für Gespräche, die Halt und Orientierung geben und nicht nach zehn Minuten enden. Genau das, wofür in Praxen selten Zeit und Platz ist.
Manchmal denke ich an die Schienen zurück. Damals hielt ich in der Hand, was diese Frauen nachts durchmachten, und konnte es nicht lesen. Heute frage ich einfach nach.
Wie Zähneknirschen und Wechseljahre zusammenhängen, lesen Sie im nächsten Artikel. [LINK zu Artikel 2]
Und wenn Sie den Satz „Ich hab’s ja schon mit allem versucht“ kennen und trotzdem spüren, dass da noch etwas offen ist, dann lassen Sie uns sprechen. In einem kostenfreien Orientierungsgespräch von dreißig Minuten schauen wir gemeinsam hin.
Gundula Bunge-Glenz ist zertifizierter Coach, erfahrene Dialogbegleiterin und Zahntechnikermeisterin. In ihrer Coachingpraxis Aussichtsreich in Bensheim begleitet sie Frauen mit Zähneknirschen (Bruxismus), Kieferbeschwerden (CMD) und chronischen Schmerzen, besonders in der Lebensmitte und in den Wechseljahren. Ihre Arbeit versteht sich ergänzend zur zahnärztlichen und medizinischen Behandlung. Diesen Weg nennt sie SchmerzWende.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation. Er ersetzt keine individuelle zahnärztliche, medizinische oder therapeutische Diagnostik und Behandlung.
